Wave Akademie für Digitale Medien

06.11.2019 17:34

Wir haben uns mit Tobias Dickmann von der Berliner Ausbildungsstätte Wave Akademie für Digitale Medien über die Aus- und Weiterbildungsangebote unterhalten. Im Fokus stehen dabei die audiospezifischen Ausbildungsgänge.


Die Wave Akademie in Berlin bietet Ausbildungen in den Bereichen Audio, 3D/Game, Medien und Film. © Wave Akademie

Den Wunsch, sein Hobby zum Beruf zu machen, haben viele. Doch für einen professionellen Einstieg in die Musik- und Medienbranche braucht es fundiertes Wissen von Spezialisten. Dieses kann man sich im Rahmen einer Ausbildung für Musikproduktion, Sounddesign, Mixing und Mastering aneignen. In einer neuen Ausbildungsserie beleuchten die KEYS dazu passende Institute. Den Anfang macht die Wave Akademie für Digitale Medien. Der Schulleiter Tobias Dickmann stand uns Rede und Antwort.

KEYS: In eurem Portfolio an Ausbildungsgängen sind mir der Audio Engineer und Music Producer sowie die staatlich anerkannten Ausbildungen Sounddesign und Tonmeister aufgefallen. Beschreibe mal bitte die Kurse.

Tobias Dickmann: Unsere Kernkompetenz sind die beiden zweijährigen berufsqualifizierenden Ausbildungen Sounddesigner (staatlich anerkannt) und Tonmeister (staatlich anerkannt). Diese unterscheiden sich hauptsächlich in der kreativen, gestalterischen Ausrichtung des Sounddesigners und dem mehr auf die Technik und Studioarbeit fokussierten Aspekt des Tonmeisters.
Bei der Ausbildung Sounddesign steht die kreative, gestalterische Arbeit mit Musik, Sounds, Special FX, virtuellen Instrumenten, Klängen und Geräuschen im Vordergrund. Sounddesigner werden überall in der Medienproduktion eingesetzt und komponieren Musik verschiedener Stilrichtungen. Dabei erzeugen sie mit virtuellen Instrumenten Sounds durch Samples oder Klangsynthesen, nehmen Gesang, Sprache, Klänge, Geräusche oder Instrumente auf und erzeugen durch ihre Arbeit dramaturgisch wirkungsvolle Atmosphären und Stimmungen.
Sounddesigner sind neben der Musikproduktion auch in anderen Bereichen der professionellen Klangproduktion aktiv wie zum Beispiel im Bereich der akustischen Markenführung, dem so genannten „Sound Branding“, der Audioproduktion für Film-, TV- und Rundfunkformate, der Produktion von Jingles, Werbespots, Trailern und Image-Filmen, der Erstellung von Filmmusiken bis hin zur Komposition orchestraler Film-Scores, der Produktion für virtuelle Welten, Internet, Multimedia, für die Software- und Games-Industrie sowie für Hörspiele und Hörbücher. Vom Klingelton zur Filmmusik bieten sich nach der Sounddesign-Ausbildung vielfältige Arbeits- und Einsatzmöglichkeiten.
Durch die Arbeit des Sounddesigners werden Aussage und Wirkung verschiedener Medienproduktionen wie etwa Spielfilme derart nachhaltig beeinflusst, dass nicht wenige Regisseure wie zum Beispiel Quentin Tarantino oder Steven Spielberg das Hörbare wichtiger erachten als das Sichtbare und die Wechselwirkungen von Bild und Ton als essentielles Instrument der Dramaturgie in ihren Werken einsetzen.


Tobias Dickmann ist Leiter der Wave Akademie. © Wave Akademie

Der Tonmeister wiederum ist nicht nur durch sein technisches Know-how in der Lage, anspruchsvolle Audioproduktionen für sich und im Auftrag von Kunden gekonnt zu realisieren, sondern kann auch durch sein musikalisches und künstlerisches Verständnis die Vorstellungen und Anforderungen von Künstlern oder Auftraggebern gezielt umsetzen und durch seine bestimmte, aber psychologisch intelligente Aufnahmeleitung den Produktionsprozess bewusst beeinflussen und steuern. Der Tonmeister an der Wave Akademie repräsentiert eine moderne Form des Berufsbilds mit klarer Ausrichtung auf die neuen und modernen Wege der digitalen Audiowelt und orientiert sich weniger an der klassischen Vorstellung des Partitur lesenden Tonmeisters.
Tonmeister haben nicht nur erweiterte Fähigkeiten zur Produktion populärer Musik, sondern sind auch in der Lage, die besonderen Anforderungen an die Produktion von Jazz und klassischer Musik zu erfüllen sowie die ganze Bandbreite audiovisueller Medienproduktionen vom Werbespot bis zur Filmvertonung zu bedienen. Ebenso ist der Tonmeister in der Lage, in der Veranstaltungstechnik, auch bei größeren Live-Events und Konzerten, für einen optimalen Ton zu sorgen.
Auch der Beruf des Tonmeisters wird bei uns als kreativer Beruf verstanden, denn der Tonmeister ist weit mehr als nur ein reiner Tontechniker und durch die digitale Evolution ist auch dieses Berufsbild einem starken Wandel unterworfen. Ein Tonmeister ist immer auch Produzent, der die Künstler zu einer besseren Performance anleitet, und einer, der sich aktiv in den Produktionsprozess einschaltet oder diesen zumindest mitbestimmt und somit durch sein Wirken zu einem besseren Ergebnis der Medienproduktion beiträgt. Die Tonmeister-Auszubildenden bekommen bei uns daher neben einer fundierten und breiten tontechnischen Ausbildung auch Grundlagen in Harmonielehre, Komposition und Arrangement vermittelt.
Auch Studienmodule über Klangsynthese, Sounddesign, Tondramaturgie, Filmtonkonzepte, Film-Score, Surround-Sound, Postproduktion und Mastering sind Teil der zweijährigen Ausbildung. Dieses Ausbildungsprofil ermöglicht es dem Tonmeister, selbst musikalisch, kreativ und gestalterisch tätig zu werden und alle möglichen Medienproduktionen anzuleiten und selbständig zu umzusetzen. Die Dauer der Ausbildungen beträgt vier Semester, zwei Jahre Vollzeit mit 3220 Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis. Die einjährigen Ausbildungen Audio Engineer und Music Producer sind jeweils das erste Ausbildungsjahr der genannten staatlich anerkannten Ausbildungen und als Basisqualifikation zu verstehen.
Während der Ausbildung haben unsere Studenten jederzeit die Möglichkeit, die Tonstudios für Produktionen zu nutzen und neben dem Unterricht ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu festigen und zu erweitern.

KEYS: Welche Lehrinhalte werden in den jeweiligen Kursen vermittelt und wie ist der ungefähre Studienverlauf?

Tobias Dickmann: Berufe in der Audiobranche sind vielfältig. Wir versuchen, unsere Studierenden daher inhaltlich möglichst breit aufzustellen, um die verschiedenen Disziplinen und Kompetenzen in der Audiobranche abzudecken und um eine möglichst breite berufliche Relevanz und Perspektive zu erreichen.
Der Studienverlauf ist in Unterrichtsmodule gegliedert. Die Unterrichtsmodule finden am Stück in mehrtägigen Einheiten mit einem Fachdozenten statt. Es ist also täglich Präsenzunterricht mit Dozenten vor Ort. Das erste und zweite Semester zeichnen sich durch Vermittlung der Grundlagen im schulischen Sinne aus. Dies bedeutet, es werden die essentiellen Bausteine für die Audioproduktion vermittelt. Dies wandelt sich zum dritten und vierten Semester dahingehend, dass selbständiges Arbeiten, Projektmanagement, Zeitdisposition und Selbstdisziplin immer mehr in den Vordergrund treten.
Entsprechend des oben genannten Konzepts werden auch die Inhalte verteilt. Dies bedeutet, dass im ersten Jahr die allgemeinen Grundlagen wie Akustik, DAW-Software, Broadcast-Pegel und -Normen, Musiktheorie, Mikrofontechnik, akustische Markenführung, Klangsynthese et cetera vermittelt werden und im zweiten Jahr dann erweiterte Erkenntnisse wie vierstimmiger orchestraler Film-Score, mehrfache Audioproduktionen, Surround, Film-Post-Pro und Vertonung, Sounddesign für Trailer, Jingles und Werbung, Komposition und Arrangement et cetera anstehen.

KEYS: Wie ist das Verhältnis zwischen dem Theorie- und Praxisanteil während der Ausbildung?

Tobias Dickmann: Seit Anfang an ist ein essentieller Aspekt unserer Konzeption das Erstellen eines Portfolios, da im Medienbereich nichts wichtiger ist als der Nachweis bisheriger praktischer Tätigkeiten. In praktischen Zwischen- und Abschlussprüfungen suchen sich die Studierenden selbständig anhand von Richtlinien und Vorgaben Partner wie Unternehmen und erstellen umfangreiche hochwertige Referenzen wie Vertonungen für 90-Minuten-Spielfilme oder komplette Albumproduktionen. Des Weiteren werden auch in Tri-Semester-Projekten praktische Arbeiten generiert, um auch hier das Portfolio weiter auszubauen. Die einzelnen Unterrichtsmodule wiederum werden so weit wie möglich mit praktischen Beispielen oder Übungen veranschaulicht und begleitet.

KEYS: An welchen Konsolen werden die Übungen und Projekte und Abschlussproduktionen der Studenten durchgeführt?

Tobias Dickmann: Bei der Auswahl der Konsolen für unsere Studios stand der Aspekt der Berufsrelevanz im Vordergrund. Entsprechend haben wir uns für den Hersteller Lawo entschieden, der Maßstäbe und den Standard im Bereich Broadcast und großer TV-Events setzt. Hier besitzen wir zwei große digitale mc²-Konsolen. Diese Konsolen haben eine hohe Berufsrelevanz, da sie in vielen Bereichen im Einsatz sind: in der Bundesliga, bei Fußball-Europa- und -Weltmeisterschaft, Olympischen Spielen, bei TV-Produktionen wie „Voice of Germany“ oder „European Song Contest“, ARD/ ZDF, Pro7 und so weiter.
Daneben setzen wir noch andere analoge und digitale Mischpulte im Unterricht und unseren Studios ein, um die unterschiedlichen Aspekte und Einsatzmöglichkeiten von Audiomischpulten zu demonstrieren.

KEYS: Welche Voraussetzungen werden von den Schülern für die Ausbildungen verlangt?

Tobias Dickmann: Die Eignungsvoraussetzungen sind für jede Ausbildung auf unserer Website detailliert aufgeführt. Interessenten benötigen Abitur oder einen mittleren Schulabschluss sowie ausbildungsspezifische Vorkenntnisse. Diese werden über eine Eignungsfeststellung in Erfahrung ermittelt und bewertet. Hier reichen die Bewerber Hörbeispiele ein, die entsprechend begutachtet werden. Es muss noch ein Audiogramm oder ein Hörtest nachgewiesen werden. Dies kann bei einem HNO-Arzt oder Hörakustiker erstellt werden und ist in der Regel kostenlos.

Das vollständige Interview lesen Sie in KEYS 12/2019 – die Ausgabe können Sie gleich hier im Shop bestellen!


Text: Carl-Philipp Schmeller

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